Literatur-Kollegium Brandenburg e.V.
Startseite
Über uns
Tod von W. Flegel
Aktuelles und Neues
Publikationen
Neuerscheinungen
Veranstaltungen
Literaturpreis
Preisträgertexte
Laudatio
Preisträgertext 2011
Pressespiegel
Fotogalerie
Links zu Mitgliedern
Leseproben
Links extern
Gästebuch
Kontakt
Kontakt-Formular
Impressum

 

Dieter Lenz – Preisträger

 

Zur guten Nacht

 

Die Nacht lässt sich jetzt demaskieren

und wird zur Kachelwand in einem Klo,

Verse kann man darauf schmieren.

Seht her und lest, es geht mir so:

 

Zu dieser Zeit löst man den Gürtel

und schlägt auf seinen Schatten ein.

Und aus den Zähnen rieselt Mörtel

beim Versuch zu schrein.

 

Der Menschheit Letzter,

noch bevor der Zukunft Erster aufersteht,

er liegt mit einem Ohr

im Dreck, das andre hochgedreht.

 

Und Fernen funken fremden Sinn,

sein Kopf wird Webmaschine.

und pocht und sticht: ein Gobelin.

Die Nachwelt lacht: Gardine.

 

Punkt Zwölf. Vom Rundfunk Phrasen.

Ein Tag beginnt, eine neuer.

Reformen abgeblasen.

Sie kommen uns zu teuer

 

 

Die Verfrühten

 

Gelebt wird jetzt auf neue Art:  

Wir, die um Ruhm bemühten,

steigen in den Weltraum hoch.

Die Zukunft ist uns Gegenwart.

Und gnadenlos verbieten

wir „aber" und das „weder/noch".

 

Zwar hüllt uns noch die Menschenhaut

und ihre Sucht nach Zärtlichkeit.

Wir lieben, bis der Morgen graut,

doch ist das schon verlorne Zeit.

 

Das Leben heißt „Nicht Stillestehn".

So sind wir wie das Laserlicht

und sind zu schnell, zu hörn, zu sehn,

die leise Stimme, das Gesicht:

 

Ihr lebt zwar jetzt auf neue Art.

Doch seid ihr die Verfrühten.

Und steigt ihr auch ins Weltall hoch,

ihr flieht nicht aus der Gegenwart.

Ihr könnt es nicht verhüten:

Ihr bleibt die Alten doch.

 

Apokalypse – now

 

Wozu die Computer alle?

Gespeicherte Trauer

aus Totem und Traum.

(Im günstigsten Falle

weint man genauer

auf seinem Kleidersaum.)

 

Und neue Propheten

versuchen zu kitten

mit Angst und Gebeten

die brechenden Sitten.

 

Das wird die Menschheit

noch lernen müssen:

statt vor Spaß sich zu bepissen

und sich berauschen

am eigenen Gemüt,

mit Augen weit

dem Geburtschrei lauschen,

und sehn, was ihr geschieht.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

 

Kenah Cusanit - Anerkennungspreis der Jury

Hier finden Sie demnächst einen Link zur Homepage der Autorin

 

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

 

Angelika Zöllner (Anerkennungspreis der Jury)

 

1

 

der schwan

 

blaugläsernes wasser

verdunkelt wie unsere haut aus

treibenden schwere-gedanken

 

hier lass ich versinken die wurzeln

alt-lastender sorgen - die fragen

die haftenden Lebensgesteine und

anker erblutende not

 

hier entring ich dem

entlein das märchen die

federnhässliche haut

 

weiß - aus dem neugeburtlichen

steigt irgendwann wenn

ich erwarten kann ein

lichterheller schwan

 

im wellenspiegel such ich

täglich ihn und einmal

ahn ich gar nicht mehr mein

altes raues Ich.

 

2

 

bis auf das wort

 

immer kehre ich zurück

zu den anfängen

sammle die hülsen vom boden

wer in der vergangenheit lebt

hütet den tod

 

jung bleibt die Seele

hinter den Nerzwänden

jeder aufbrechende gedanke

erneuert die zukunft

 

aus fruchtbaren stunden

wächst die gegenwart

in verletzbarer haut

noch schutzlos

bis auf das wort.

3

 

baum oder fliehendes blatt

 

manchmal

weiß ich nicht

bin ich baum

oder fliehendes blatt

land oder ein

abgesplittertes stückwerk

 

ich bin aufgerissene Saite

und klingender stein

sinkender tropfen und

schäumendes meer

im stundenglas

von zeit und ewigkeit

 

stern oder staub

in meinem spiegel

verwischt sich die spur

irgendwo zwischen

flucht und wahrheit.

 

 

4          frieden

 

genug geklagt

noch fühl' ich leben

der sommer streut sein mildes licht

und weht mir farbenträume zu

laß mich noch diese tage schmecken

und honig sammeln

dir und mir

 

im herbst bestell' ich mir das land

und scheuch' die totenvögel weg

ich setze hoffnung korn für korn

und suche mir die atemsaat

 

noch hängt die sonne

ich will singen

ehe der himmel fällt.

 

 

 

 

 

 

 

Top
Literatur-Kollegium Brandenburg e.V. | literaturkollegium.de oder literaturkollegium.eu